Elektrofahrräder – die Kehrseite des Trends

Der Trend zu den Elektrofahrrädern ist unbestritten immer noch im Steigen begriffen, die Hersteller können sich immer höhere Umsätze freuen. Momentan sieht es so aus, als könnten rund 300.000 Elektrofahrräder verkauft werden – pro Jahr! Doch dieser Anstieg in den Umsätzen ist zwar erfreulich, jedoch können die Fahrräder nicht unbedingt mit der hohen Nachfrage mithalten, wie es scheint. Beklagt wird die nicht ausgefeilte Technik und die Fahrradhändler müssen sich über die vielen Reklamationen ärgern. Teilweise werden rund 50 Prozent reklamiert. Auch die geringe Reichweite der Akkus ist nicht gerade zufriedenstellend. Händler sind sich einig, dass die Elektrofahrräder noch nicht ganz ausgereift sind.

Probleme der Hersteller

Es wird zwar davon ausgegangen, dass die Markenhersteller auch nur gute Ware liefern würden, doch auch ihre Produkte weisen Probleme auf, die eigentlich eher auf Billigmodelle schließen lassen würden. Ein Punkt ist dabei das Antriebssystem BionX. Hierbei handelt es sich um einen Nabenmotor für das hintere Rad, den dazu passenden Akku sowie die für das Lenkrad vorgesehen Steuereinheit. Rund ein Viertel aller Kunden reklamierten die Elektrofahrräder aufgrund des Antriebssystems, welches nicht so funktionierte, wie gewünscht.

Ein weiteres Problem ist, dass die Kunden sehr lange auf ihre reklamierten Teile warten müssen. Oft dauert es Wochen, bis das Rad wieder einsatzfähig ist, weil die Teile zum Hersteller geschickt werden müssen.

Insgesamt beziehen sich die häufigsten Probleme bei den Elektrofahrrädern auf Schäden am Motor, auf Fehler in der für den Motor zuständigen Software, auf Kabelprobleme oder auf den Akku. Auch die Händler müssen sich ein gewisses Maß an Reklamationen auf die Fahne schreiben. Ihnen fehlt es oftmals noch an Fachkompetenz und die Beratung der Kunden fällt schlechter aus. Zudem müssen viele Teile gar nicht an den Händler geschickt werden, sie könnten einfach repariert werden – wenn das nötige Wissen vorhanden wäre.

Nicht zuletzt haben die Kunden einige Fehler mitzuverantworten, wenn sie ihre Elektrofahrräder nicht wie vorgeschrieben pflegen und warten lassen.

Konsequenzen

Die Hersteller nehmen die Reklamationen natürlich ernst und arbeiten an einer Verbesserung der Elektrofahrräder. Produktentwicklung und -qualität sind die Punkte, auf die das Hauptaugenmerk nun gerichtet wird. Viele Hersteller erwägen, nicht mehr das BionX Antriebssystem zu verwenden, sondern ein noch relatives neues von Bosch. Dieses sitzt im Tretlager, was einen tieferen Schwerpunkt mit sich bringt. Der Antrieb stellt sich momentan als zuverlässiger dar. Auch das System von Panasonic ist dem von Bosch ebenbürtig. Allerdings ist damit eine weniger sportliche Fahrweise möglich. Radler, die schnell unterwegs sein möchten, kommen um das Antriebssystem von BionX nicht herum. (Bild: Damenfahrrad © by-studio – Fotolia.com)